Gemeinsames Lernen an der Werner-von-Siemens-Gesamtschule

           (Lehren und Lernen in heterogenen Lerngruppen & Inklusion)

 

Unsere Schule - Eine Schule der Vielfalt, eine Schule mit allen Abschlüssen. Kurz: eine Schule für Alle.

 

Einleitende Worte

Die Gesamtschule ist schon immer eine Schule für alle.

 

Es ist uns somit schon immer ein Anliegen gewesen, Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Fähigkeiten und persönlichen Entwicklungen gemeinsam zu unterrichten, jede Schülerin und jeden Schüler bestmöglich zu fördern und zu fordern. So möchten wir ihnen, den für sie bestmöglichen Schulabschluss, ermöglichen.

Aus den anzutreffenden unterschiedlichen Entwicklungs-, Erfahrungs-, Lebens- sowie Lern- und Leistungsunterschieden, ergibt sich aus unserer Sicht die Notwendigkeit einer Unterrichtskultur, die das individuelle Lernen ermöglicht. Dies betrachten wir als logische Schlussfolgerung der Vielfalt (Heterogenität).

 

Eine individuelle Lernkultur herrscht vor, wenn Schüler und Schülerinnen ihren Begabungen und Fähigkeiten entsprechend lernen und sich im Lerntempo sowie im Umfang und Niveau der Lerninhalte und –themen unterscheiden dürfen.

 

 

Unsere Schülerinnen und Schüler sollen Zeit und Unterstützung für ihre eigenen Lernprozesse erhalten und zunehmend für ihre persönliche Entwicklung, wie auch für die Entwicklung der Klasse zur Lerngemeinschaft Verantwortung übernehmen. Auch mehr Gelassenheit, mehr Freundlichkeit, mehr Solidarität untereinander – denn ein stark ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl macht eine gute Schulatmosphäre aus.

 

Das alles zu entwickeln, stellt eine große pädagogische Herausforderung dar und ist dennoch eine unabdingbare Grundlage – vielleicht sogar der Ausdruck von Inklusion.

 

Inklusion ist somit keine Methode, kein Verfahren und kein Organisationsmodell, sondern die Basis für gemeinsames und gleichberechtigtes Leben und Lernen aller Schülerinnen und Schüler in unserer Schule, egal welche Form der Unterstützung sie brauchen oder nicht.

 

 

 

 

 

Um diesen Anforderung gerecht zu werden und und dahingegen weiterzubilden, haben wir den Bereich "Umgang mit Heterogenität" zum zentralen Baustein unserer Fortbildungplanung gemacht. In diesem Kontext nimmt das gesamt Kollegium an der Fortbildungsreihe des MSW "Auf dem Weg zur inklusiven Schule" teil.

 

Allgemeine Informationen

Mit der Konvention der UNO zur Inklusion, zum Recht von behinderten Kindern mit nicht behinderten Kindern gemeinsam zu lernen, besteht für die Bundesrepublik eine „völkerrechtliche Verpflichtung“ zur Umstellung auf ein inklusives Schulsystem. Konkret fordert Artikel 24 der UN-Konvention ein inklusives Bildungssystem. Dies bedeutet, dass Menschen mit Behinderung nicht aufgrund ihrer Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden dürfen (www.behindertenrechtskonvention.info).

 

Die schulischen bzw. pädagogischen Grundlagen für den inklusiven Unterricht werden im Aktionsplan "Inklusion" der Landesregierung NRW beschrieben. Es wird folgendes

formuliert:

„Das Ideal einer inklusiven Schule bedeutet, dass dort alle Kinder und Jugendlichen ungeachtet ihrer individuellen Voraussetzungen und Fähigkeiten, ihrer Talente und Neigungen, ihrer sozialen, ethnischen und kulturellen Herkunft, ihrer Behinderungen und Beeinträchtigungen etc. miteinander lernen und jeweils individuell optimal gefördert werden.“

 

Mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz hat das Land den Auftrag der VN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt und die ersten Schritte auf dem Weg zur inklusiven Bildung an allgemeinen Schulen in NRW gesetzlich verankert. Schülerinnen und Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung sollen grundsätzlich immer ein Platz an einer allgemeinen Schule angeboten werden.

(s. unter NRW inklusiv. Aktionsplan der Landesregierung. Eine Gesellschaft für alle. Bildungsportal des Landes NRW)

 

Dies geht mit unserem Verständnis vom Gemeinsamen Lernen und Heterogenität einher. Uns liegt die Förderung von allen Schülerinnen und Schülern am Herzen. Jedes Kind in seiner Individualität anzunehmen und zu fördern, ist das Grundverständnis unserer Gesamtschule. Alle Kinder können im Erleben der Andersartigkeit voneinander lernen. Es geht darum, Leistungsgefälle zu ertragen und zunehmend Verantwortung für das gemeinsame Lernen zu übernehmen. Dies erweitert für alle Beteiligten die soziale und kognitive Kompetenz. Unsere inklusive Pädagogik versucht wenigstens im schulischen Bereich eine Normalität der Lebenswelt zu erreichen und zu verankern, in der Gemeinsamkeit, Vielfalt und Unterschiedlichkeit als selbstverständlich und positiv erlebt werden können.


Diese so erlebte Normalität kann die Persönlichkeitsentwicklung aller Schülerinnen und Schüler bereichern.

 

Unser Verständnis:

Inklusion heißt alle Kinder willkommen.

Inklusion bedeutet gemeinsames und individuelles Lernen.

Inklusion meint: Alle sollen die Möglichkeit haben, an allen Bereichen des Lebens gleichberechtigt teilzuhaben und "mitzumachen".

„Es ist normal, verschieden zu sein“ (Richard von Weizsäcker, 1993).

Wirklich inklusiv sind wir erst, wenn wir diesen Begriff nicht mehr brauchen.

Inklusion in 80 Sekunden erklärt - Comic der Aktion Mensch

 

 

Sonderpädagogische Unterstützung und Förderschwerpunkte

An unserer Schule findet inklusive Bildung statt, indem Schülerinnen und Schüler mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam unterrichtet und er­zogen werden.

 

Einen Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung können begründen:

1.Lern- und Entwicklungsstörungen (Förderbereich Lernen , Sprache, Emotionale und soziale Entwicklung

2.Geistige Behinderung (Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung),

3.Körperbehinderung (Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung),

4.Hörschädigungen (Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit),

5.Sehschädigungen (Blindheit, Sehbehinderung),

6.Autismus-Spektrum-Störungen.

 

Die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf können entweder wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ohne besonderen Unterstützungsbedarf unterrichtet werden (zielgleich) oder im Bildungsgang LERNEN bzw. GEISTIGE ENTWICKLUNG (beides zieldifferent) gefördert werden.

 

Zielgleiche und zieldifferente Förderung

 

Zielgleiche Förderung

[Bildungsgang der allgemeinen Schule]

Zieldifferente Förderung

[Bildungsgang LERNEN/

Bildungsgang GEISTIGE ENTWICKLUNG]

• im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung [ES] im Bildungsgang der allgemeinen Schule

• im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation [HK] im Bildungsgang der allgemeinen Schule

• im Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung [KM] im Bildungsgang der allgemeinen Schule

• im Förderschwerpunkt Sehen [SE] im Bildungsgang der allgemeinen Schule

• im Förderschwerpunkt Sprache [SQ] im Bildungsgang der allgemeinen Schule

• im FSP Lernen [LE] im Bildungsgang Lernen

• im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung [GG] im Bildungsgang GG

• im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung [ES] im Bildungsgang Lernen

• im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation [HK] in den Bildungsgängen LE bzw. GG

• im Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung [KM] in den Bildungsgängen LE bzw. GG

• im Förderschwerpunkt Sehen [SE] in den Bildungsgängen LE bzw. GG

• im Förderschwerpunkt Sprache [SQ] im Bildungsgang LE

Siehe dazu Abschnitt 4 § 23 bis 30 der Ausbildungsordnung Sonderpädagogische Förderung AO-SF

 

Dies bedeutet in der Praxis zum Beispiel, dass ein Kind mit dem genannten Unterstützungsbedarf (zieldifferent) in der Regel differenzierte Klassenarbeit schreibt und/oder in einzelnen Fachunterrichtsstunden individuell gefördert wird. Individuell und Differenzierung heißt dabei, Unterschiede in Zeit und Lerntempo zu machen, den Lernarrangements, den Aufgaben, bei den Lernzielen, in der Organisation, beim Material. Differenzieren heißt aber auch, alle Schülerinnen und Schüler von ihren persönlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse ausgehend möglichst gut zu fördern.

 

Bei unseren Bemühungen um das Gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schüler mit und ohne Beeinträchtigungen/Unterstützungsbedarfe bieten alle Lehrkräfte gemeinsam mit den Lehrkräften für Sonderpädagogik allen Schülern einen gemeinsamen Zugang zu einer Thematik durch eine Vielfalt der Lernwege und Lernziele.

 

Schülerinnen und SChüler, die zieldifferent unterrichtet werden, erhalten in der Regel am Ende der Schulzeit einen Förderschulabschluss.

Selbstverständlich ist es möglich, dass sich ein Kind mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Laufe seiner Schulzeit so gut entwickelt, dass der sonderpädagogische Unterstützungsbedarf aufgehoben wird. Es wird somit als „Regelschüler“ unterrichtet. Generell wird auf den Beratungskonferenzen und letztendlich auf der Zeugniskonferenz (Klassenkonferenz) zum Schuljahresende intensiv über die Entwicklung eines jeden Kindes beraten. Im Rahmen einer jährlichen Überprüfung wird festgelegt, ob der Schüler im kommenden Schuljahr mit oder ohne sonderpädagogischer Unterstützung unterrichtet wird.

 

 

Für uns ist es besonders schön zu sehen, wenn durch gute Förderung eine Schülerin oder eine Schüler ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf weiter unterrichtet werden kann und einen Regelabschluss nach der Jahrgangsstufe 10 erreicht.